Reisetagebuch via Laptop?

admin am 21. Mai 2009

Das Abitur ist geschafft, die Schulzeit nach mühsamen, oft am Limit geführten Jahren endlich vorbei: Während viele Abgänger ungebremst den nächsten Kraftakt ansteuern und sich in einem Bachelor-Studiengang versuchen, verspüren viele den Wunsch nach einer Auszeit. Den schulischen Verpflichtungen nun endlich entwachsen, soll nun der Drang nach Veränderung, die Lust am Reisen den Weg in die Ferne ebnen.

Obwohl viele Reisende mit der Absicht, ihre alten Kontakte ohne schlechtes Gewissen ruhen zu lassen, in das globale Abenteuer starten, scheint der permanente Informations- und Dokumentationswille den eigentlich gut gewählten Vorsatz zu verdrängen. Ist man erst einmal raus aus der vertrauten, vielleicht öde wirkenden, heimischen Gegend, gilt jeder Schritt, der man in der Fremde macht, als der aufregendste überhaupt.

Obwohl anfänglich von einem Mix aus Vorfreude auf das bevorstehende Reiseabenteuer und der Sehnsucht nach den vertrauten Gesichtern begleitet, entwickeln viele Reisende auf ihrer ersten Travel Tour das Empfinden, kein anderer Ort auf der Welt könnte in dem Moment mehr Glücksgefühle hervorrufen: So aufregend fühlt es sich an, durch die Weltgeschichte zu tingeln – mit der Gewissheit, die Alltagssorgen im fernen Deutschland in eine Sorgenkiste gepackt zu haben. Was die Reisenden nicht wissen und eigentlich auch nicht wissen wollen: Man interessiert sich zwar in der Heimat nach dem Zustand der in die weite Welt hinaus entlassenen Person, aber sich in die Situation versetzen können und wollen sich die wenigsten. Das Leben geht – wenn auch verhältnismäßig etwas gemächlicher und weniger aufregend – auch in der Heimat weiter – ein Umstand, den man in der Ferne gerne zu vergessen scheint.

Und genau diese Erkenntnis spiegelt sich auch in den „Reise-Tagebüchern“ wider: Auf Reisen mutieren viele Leute zu Hobby-Journalisten und eifrigen Bloggern. Ellenlange Mails oder Blog-Einträge, geschmückt mit Fotos, denen Zuhausegebliebene entweder mit Ignoranz begegnen oder sie vor Neid fast platzen lässt, gehören bei vielen zum wöchentlichen Programm. Wer es auf die Spitze treiben will, füttert seinen Blog täglich.

Der Laptop, Modell Asus Eee PC, erweist sich dabei als ständiger Begleiter. Mit der Verbreitung sozialer Netzwerke, angeführt von Facebook, kann sich heutzutage fast jeder – immer und überall – über den Aufenthaltsort der Reisenden informieren. Facebook und andere Social Networks können sich auf Reisen natürlich als überaus nützlich erweisen, das global gespannte Netzwerk kann aber genau das bewirken, was man bei Reiseantritt verhindern wollte: Keine Zeit für sich selbst zu finden, da man ständig mit der Kontaktpflege beschäftigt ist.

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